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Praxisübernahme mit Fördermitteln – diese Möglichkeiten gibt es

Praxisfinanzierung mit KfW-Darlehen für Ärzte, Privatkredit, Fördermittel und mehr

Wer sich als Mediziner selbstständig macht, genießt einige Vorteile. Mit einer Praxisübernahme bzw. -gründung werden Sie Ihr eigener Chef, haben größere Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume und erzielen zumeist ein besseres Einkommen als in einem Angestelltenverhältnis. Allerdings stehen Sie auch vor großen Herausforderungen – allen voran die Praxisfinanzierung. Informieren Sie sich daher vorab, welche Fördermittel für Ihre Praxis infrage kommen. Die Grundlagen Finanzierung Ihrer Arztpraxis und die wichtigsten Fördermöglichkeiten stellen wir Ihnen in diesem Beitrag vor. 

Herausforderung Praxisfinanzierung: Hohe Kosten für eine Übernahme

Wer sich als Arzt in Berlin mit einer eigenen Praxis niederlassen möchte, wird in der Regel eine bestehende Praxis übernehmen. Dies erfordert hohe Investitionen: Die Kosten liegen meist deutlich über denen für eine Neugründung und richten sich üblicherweise nach dem Wert der jeweiligen Praxis. Dieser wiederum bemisst sich unter anderem nach dem sogenannten Goodwill, dem immateriellen Praxiswert. In dessen Bemessung fließen Komponenten ein wie die Lage der Praxis, der Bekanntheitsgrad oder der Patientenstamm. Sechsstellige Investitionssummen sind für eine Praxisübernahme eher Regel, denn Ausnahme. Denn neben dem reinen Kaufpreis müssen zudem Kosten für weitere medizinisch-technische Ausstattung, die Einrichtung und eine etwaige Modernisierung einkalkuliert werden. Daher stellt sich zu allererst die Frage der Finanzierung. 

Leasing oder Kauf von Geräten beeinflussen Praxisfinanzierung  

Bei der Ausstattung Ihrer neuen Praxis müssen Sie sich entscheiden, ob Sie die nötigen Geräte leasen oder kaufen müssen. Wenn Sie sich für den Kauf entscheiden, benötigen Sie in der Regel Fremdkapital. Beim Leasing können Sie gegebenenfalls ein monatliches Nutzungsentgelt vereinbaren, das Sie ohne Fremdfinanzierung aufbringen können.  

Im Normalfall machen die medizinischen Geräte einen großen Teil des Geldbedarfs aus. Sie fließen Ihren Finanzierungsplan ein und bestimmen, wie hoch der Betrag an Fremdkapital für Ihre neue Praxis sein muss. 

 

Praxisfinanzierung: Diese Wege gibt es  

In der Regel findet eine Praxisfinanzierung nicht ausschließlich mit eigenen Mitteln statt – dafür sind die Investitionskosten einfach zu hoch. Sowohl bei der Neugründung als auch bei der Übernahme einer Praxis sind Sie dementsprechend auf Fremdkapital angewiesen. Die Konditionen für die Finanzierung Ihrer Praxis hängen von mehreren Faktoren ab, allem voran sollten Sie jedoch über ausreichend Eigenkapital verfügen und eine gute Bonität vorweisen können.  

Damit Ihre Praxisfinanzierung gelingt, sollten Sie diese auf den folgenden Säulen aufbauen: 

  • Eigenkapital, das Sie zuvor angespart haben, 
  • Kredit für Ärzte, der auf Ihre Situation zugeschnitten ist, 
  • Geld aus einem KfW-Darlehen für Ärzte, das vom Staat bereitgestellt wird.  

Bei der Einspeisung von Eigenkapital sind Sie auf keine externen Finanzierer angewiesen. Um für Ihre Arztpraxis einen Kredit zu erhalten, brauchen Sie eine solide finanzielle Ausgangssituation und einen klaren Finanzierungsplan. Dabei sollten Sie die folgenden Unterstützungsmöglichkeiten wahrnehmen, um Ihren Finanzierungsplan umsetzen und Ihren Traum von der eigenen Praxis verwirklichen zu können. 

Welche Fördermöglichkeiten bestehen für Ihr Praxisfinanzierung?

Sie kennen Ihren Finanzierungsbedarf und haben bereits einen Businessplan erstellt? Dann ist es jetzt höchste Zeit, sich über die Kapitalbeschaffung Gedanken zu machen. Denn Ihre eigenen Mittel reichen für eine Praxisfinanzierung in den meisten Fällen nicht aus. Die Finanzierung über einen Kredit oder ein anderes Finanzprodukt ist dann unumgänglich. Die gute Nachricht: Praxisinhaber in spe können auf verschiedene Fördermöglichkeiten zurückgreifen, zum Beispiel durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Kassenärztlichen Vereinigungen oder die Agentur für Arbeit.

Praxisfinanzierung mit KfW-Fördermitteln: Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau

Als größte Förderbank Deutschlands stellt die KfW öffentliche Mittel als Darlehen für Gründungsvorhaben zur Verfügung. Aktuell bietet die KfW drei Produkte im Rahmen des European Recovery Programms (ERP) an, von denen Sie bei der Finanzierung Ihrer Arztpraxis profitieren können.

Das kleinste KfW-Gründerdarlehen: „ERP-Gründerkredit – StartGeld“

Das Gründerdarlehen „ERP-Gründerkredit – StartGeld“ gewährt Freiberuflern und kleinen Unternehmen, die noch keine fünf Jahre am Markt sind, ein zinsgünstiges Darlehen von bis zu 125.000 Euro. Damit können Sie den Grundstein Ihrer Praxisfinanzierung legen. Eigenkapital ist nur erforderlich, wenn Ihre geplanten Investitionen diese Darlehenssumme übersteigen. Gefördert wird unter anderem der Erwerb von Grundstücken und Gebäuden, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Einrichtungsgegenständen und Betriebsmitteln. Den Kredit dürfen Sie in Summe oder Teilbeträgen abrufen. Für die Laufzeit stehen zwei Optionen zur Auswahl:

  • bis zu fünf Jahre, wovon bis zu einem Jahr tilgungsfrei ist,
  • bis zu zehn Jahre mit einer Tilgungsfreiheit von bis zu zwei Jahren.

 

Tilgungsfrei bedeutet für Sie, Sie zahlen in dieser Zeit lediglich die Zinsen. Die Rückzahlung des Förderdarlehens beginnt erst nach diesen sogenannten tilgungsfreien Anlaufjahren. 

Großes Darlehen mit Eigenkapitalanteil: „ERP-Kapital für Gründung“

Das „ERP-Kapital für Gründung“ gewährt Ihnen ein Darlehen für Ihre Praxisübernahme von maximal 500.000 Euro. Das Programm ist für Gründer, Freiberufler und Mittelständler vorgesehen, die noch keine drei Jahre am Markt aktiv sind. Als Voraussetzung gilt ein Eigenmitteleinsatz von 15 Prozent des Finanzierungsvorhabens in den alten Bundesländern beziehungsweise zehn Prozent in den neuen Bundesländern und Berlin. Gefördert werden beispielsweise Baukosten, der Erwerb von Maschinen, weitere Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie Beratungsleistungen. Die Kreditlaufzeit beträgt 15 Jahre, bis zu sieben Jahre davon sind tilgungsfrei.

Für umfassende Gründungsvorhaben: „ERP-Gründerkredit – Universell“

Der „ERP-Gründerkredit – Universell“ ist ein zinsgünstiges Darlehen von maximal 25 Millionen Euro. Gefördert werden Gründer sowie kleine und mittelständische Unternehmen, die noch keine fünf Jahre bestehen. Mit dem Kredit lassen sich alle Formen der Praxisübernahme oder -gründung finanzieren, die Finanzierung von Betriebsmitteln kann ebenfalls enthalten sein. Bis zu 100 Prozent der förderfähigen Investitionskosten und Betriebsmittel für Ihre Arztpraxis lassen sich mit dem Darlehen abdecken. In puncto Kreditlaufzeit stehen mehrere Varianten zur Auswahl: von fünf Jahren mit maximal einem tilgungsfreien Anlaufjahr bis hin zu 20 Jahren mit maximal drei tilgungsfreien Anlaufjahren. Damit handelt es sich um ein sowohl sehr flexibles als auch umfangreiches Angebot für Ihre Praxisfinanzierung. 

Für energieeffiziente Praxen: KfW-Förderkredite im Bereich Energie und Umwelt

Eine weitere Förderungsmöglichkeit für die eigene Praxis sind die KfW-Programme für Energie und Umwelt, die Sie über Ihre Bank beantragen. Sie erhalten zinsgünstige Darlehen für den Aus- oder Umbau Ihrer künftigen Praxisräumlichkeiten. Für Ärzte kommt unter anderem das KfW-Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ infrage, das eine zinsgünstige Finanzierung beispielsweise für eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach Ihrer Praxis ermöglicht. Das „KfW-Energieeffizienzprogramm – Energieeffizient Bauen und Sanieren“ gewährt Medizinern einen zinsgünstigen Kredit für den energieeffizienten Neubau oder die energetische Sanierung einer Arztpraxis. Dieses Darlehen beträgt pro Vorhaben bis zu 25 Millionen Euro; es lassen sich 100 Prozent der förderfähigen Kosten bei einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren finanzieren. Wenn Sie im Zuge der Neugründung oder Übernahme auf Nachhaltigkeit setzen wollen, können Sie dieses Darlehen nutzen. 

Unterstützung für die Praxisgründung auf dem Land

Ein Umzug ins Umland lohnt sich auf alle Fälle, wenn Sie sich als Landarzt niederlassen möchten. Um die ärztliche Versorgung auf dem Land sicherzustellen, gewähren viele Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen der Bundesländer Fördermittel für die Praxisübernahme in Form von Zuschüssen oder anderen Vergünstigungen. Zum Beispiel in Brandenburg, wo aktuell die folgenden Förderprogramme bestehen:

  • Die Umsatzgarantie richtet sich in erster Linie an Mediziner, die eine Praxis übernehmen. Sie kann in Einzelfällen jedoch auch für Neugründungen gewährt werden. Ärzte, die an dem Förderprogramm teilnehmen, erhalten einen Zuschuss von zwei Dritteln des Durchschnittsumsatzes von Ärzten gleicher Fachgruppe je Quartal. Die Umsatzgarantie wird zwei Jahre lang gewährt und in monatlichen Teilbeträgen ausgezahlt, die auf jeweils 1.000 Euro aufgerundet werden. Im Gegenzug verpflichtet sich der Mediziner unter anderem dazu, für mindestens fünf Jahre die ärztliche Versorgung vor Ort sicherzustellen.
  • Der Sicherstellungszuschlag gewährt Medizinern, die sich in Regionen mit bestehender ärztlicher Unterversorgung niederlassen, einen Zuschuss von 25.000 Euro für die Praxisübernahme, für die Neugründung gibt es 20.000 Euro. Der Zuschuss wird in Raten ausgezahlt: Sie erhalten für 20 Quartale, also fünf Jahre lang, je 1250 Euro bei einer Übernahme bzw. 1.000 Euro bei einer Neugründung und verpflichten sich unter anderem zu einer mindestens fünfjährigen Tätigkeit am Vertragsarztsitz.
  • Eine weitere Fördermöglichkeit für eine Praxisfinanzierung in Brandenburg ist der Investitionskostenzuschuss. Vertragsärzte, die in einer Förderregion gründen, erhalten eine Einmalzahlung von 30.000 Euro. Für die Errichtung einer Zweigpraxis erhalten Sie einen einmaligen Zuschuss von 20.000 Euro.

Weitere Information zu den Fördergebieten und Teilnahmebedingungen bietet die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg.

Praxisfinanzierung per Gründerzuschuss: Finanzielle Unterstützung durch die Agentur für Arbeit

Ärzte, die eine Praxisübernahme oder -gründung anstreben und derzeit arbeitslos sind, können sich in puncto Finanzierung auch an die Agentur für Arbeit wenden. Als arbeitslose Mediziner können Sie den sogenannten Gründerzuschuss beantragen, solange Sie Ihre selbstständige Tätigkeit noch nicht aufgenommen haben. Dieser Zuschuss dient zwar nicht zur Beschaffung von Arbeitsgeräten oder Mobiliar, hilft Ihnen aber, die erste Zeit als selbstständiger Mediziner über die Runden zu kommen. Der Zuschuss wird in zwei Phasen geleistet:

  • Erste Phase: Sie erhalten für sechs Monate die Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes sowie 300 Euro monatlich zusätzlich für Ihre soziale Absicherung.
  • Zweite Phase: Wenn Sie eine intensive Geschäftstätigkeit und hauptberufliche unternehmerische Aktivität nachweisen können, erhalten Sie für bis zu neun weitere Monate 300 Euro für Ihre soziale Absicherung.

Beachten Sie: Der Gründerzuschuss ist eine Ermessungsleistung seitens der Agentur für Arbeit. Es besteht daher kein Rechtsanspruch auf den Zuschuss. Er wird nach individueller Abwägung gewährt.

Praxisfinanzierung: Wie werden geförderte Darlehen gewährt?

Anträge auf Förderung laufen bei Krediten nach dem „Hausbankprinzip“ ab: Sie reichen die erforderlichen Unterlagen bei Ihrer Bank ein. Der Antrag wird geprüft und dann an das jeweilige Förderinstitut weitergeleitet. Bei Genehmigung erhalten Sie das gewünschte zinsgünstige Darlehen für Ihre Praxisfinanzierung. Weiterhin greift das „Spatenstichprinzip“: Einen Anspruch auf Förderung haben Sie in vielen Fällen nur vor Beginn des zu fördernden Vorhabens oder lediglich in einem bestimmten Gültigkeitszeitraum. Es gilt also, sich in Fragen der Finanzierung Ihrer Praxis rechtzeitig sachkundig zu machen. 

Praxisfinanzierung mithilfe von Fördermitteln realisieren  

Die Finanzierung Ihres Traums der eigenen Arztpraxis ist eine der größten Hürden, die Sie bei der Übernahme oder Gründung einer Praxis überwinden müssen. Es gibt jedoch zahlreiche finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, damit Ihnen das gelingt und Sie Ihren Wunsch wahr werden lassen können. Die genannten Fördermittel bieten Ihnen das nötige Startkapital für die Niederlassung als Arzt. Da Sie Ihren Kapitalbedarf in der Regel nicht nur über ein Förderprogramm decken können, kommt es auf die richtige Zusammenstellung an. Versuchen Sie, möglichst viel Eigenkapital mitzubringen und mithilfe einer guten Bonität ansprechende Kreditkonditionen zu erhalten. Sie müssen bei der Förderung zudem beachten, dass die Produkte der KfW nicht beliebig miteinander kombiniert werden dürfen. Außerdem gelten unter anderem für viele regionale Förderprogramme Sonderkonditionen, die Sie vorab prüfen sollten. In puncto Finanzierungsplanung empfiehlt es sich, professionellen Rat einzuholen. Die Spezialisten im Heilberufe-Center der Berliner Sparkasse helfen Ihnen bei Fragen zu Ihrer Praxisfinanzierung gerne weiter.

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