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Selbstständige Handwerker sind bereits bei der Betriebsgründung als Unternehmer gefragt.

Traumberuf selbstständiger Handwerker: 7 Tipps für Existenzgründer

Das Handwerk in Deutschland boomt. Laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks erwirtschafteten 2019 mehr als eine Million eingetragene Betriebe rund 640 Milliarden Euro Umsatz. Ob Maler, Dachdecker oder Elektriker – viele träumen nach der Ausbildung davon, sich als selbstständiger Handwerker einen eigenen Betrieb aufzubauen. Für die Existenzgründung im Handwerk bedarf es im Vorfeld einer genauen Planung und gründlichen Vorbereitung. Die sieben wichtigsten Tipps für Ihren Weg in die Selbstständigkeit haben wir in unserem Beitrag zusammengefasst.

1. Zulassungspflichtig, zulassungsfrei oder handwerksähnlich? Voraussetzungen prüfen

In der Handwerksbranche sind über 150 Berufsstände zusammengefasst, die sich in zulassungspflichtige und zulassungsfreie Gewerke sowie handwerksähnliche Gewerbe unterteilen. Dem zulassungspflichtigen Handwerk liegen in der Regel eine Meisterpflicht sowie der verbindliche Eintrag in die Handwerksrolle bei der regionalen Handwerkskammer zugrunde. Mit dem Eintrag in die Handwerksrolle erhalten Sie Ihre Handwerkskarte, die Sie zur Anmeldung Ihres Betriebs beim Gewerbeamt benötigen.

Wichtig: Auch die nicht zulassungspflichtigen Berufe erfordern eine Eintragung in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke und handwerksähnlichen Gewerbe bei der Handwerkskammer. Mit der Bestätigung können Sie anschließend beim zuständigen Gewerbeamt ihre Gewerbeanmeldung vornehmen und als selbstständiger Handwerker tätig werden.

2. Verschaffen Sie sich einen Marktüberblick

Um die Potenziale und Risiken einer Betriebsgründung im Vorfeld besser abschätzen zu können, sollten Sie die lokalen Märkte, auf denen Sie selbstständig tätig werden wollen, genau in Augenschein nehmen. Investieren Sie genügend Zeit in Ihre Marktanalyse für die Beantwortung folgender Fragen:

  • Auf welchen lokalen Märkten möchten Sie als selbstständiger Handwerker aktiv werden?
  • An wen wollen Sie sich mit Ihrem Angebot richten und wie groß ist Ihre Zielgruppe?
  • Wie groß ist der Bedarf Ihrer Zielgruppe an Ihren Handwerksleistungen?
  • Wie aktiv ist die Konkurrenz vor Ort und welche Tätigkeiten werden konkret angeboten?
  • Ist es im Hinblick auf Angebot und Nachfrage lohnenswert, sich auf bestimmte Tätigkeiten zu spezialisieren oder eher ratsam, möglichst viele Handwerkerleistungen aus Ihrem Gewerk anzubieten?

3. Zur passenden Finanzierung mit einem gut durchdachten Businessplan

Selten reichen die eigenen finanziellen Mittel zur Existenzgründung im Handwerk aus. Für das notwendige Startkapital in Form von geeigneten Bankdarlehen, öffentlichen Fördermitteln oder anderen Finanzierungsinstrumenten ist ein gut ausgearbeiteter Businessplan unerlässlich. Neben der Markt- und Standortanalyse fließen hier unter anderem auch Details zum Geschäftsmodell, zur Unternehmensorganisation und -führung, Ihrer Finanz- und Liquiditätsplanung oder zur Rechtsform Ihres Betriebs ein.

Tipp: Erfahrene Gründungsberater der Berliner Handwerkskammer bieten Ihnen professionelle Hilfestellung bei der Erarbeitung Ihres Unternehmenskonzepts. Gut zu wissen: Die Berliner Sparkasse unterstützt Sie bei Ihren Zukunftsplänen nicht nur mit finanziellen Mitteln, sondern begleitet Sie mit einem kompetenten Gründerteam persönlich durch alle Phasen der Existenzgründung.

4. Förderprogramme für die Existenzgründung im Handwerk nutzen

Spezielle Fördermittel und -zuschüsse können Ihnen den Start in die Selbstständigkeit im Handwerk erheblich erleichtern. Auf der Suche nach Fördermöglichkeiten liefert Ihnen die Förderdatenbank des Bundes einen umfassenden Überblick zu allen Programmen der Europäischen Union, des Bundes und der Länder. Die Beantragung der staatlichen Fördermittel erfolgt dabei über Ihre Hausbank, die gemeinsam mit Ihnen ein passendes Finanzierungskonzept für die Unternehmensgründung entwickelt.

Hinweis: Für die Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus unterstützt Sie die Bundesagentur für Arbeit unter bestimmten Voraussetzungen mit einen Gründungszuschuss über eine Laufzeit von maximal 15 Monaten.

5. Gründungsberatung und Existenzgründerseminare für Handwerker

Businessplan, Kalkulation, Finanzierungen: Selbstständige Handwerker müssen auch in kaufmännischen Fragen sattelfest sein, um einen Betrieb erfolgreich führen zu können. Im Rahmen einer individuellen Gründungsberatung erhalten Sie wertvollen Expertenrat, von der Ideenentwicklung und Konzeptualisierung über Finanzierungs-, Förderungs-, Steuer- und Rechtsthemen bis hin zu Tipps für das Marketing und die Personalführung.

Neben der Handwerkskammer Berlin, die eine kostenfreie Existenzgründerberatung anbietet, stehen Ihnen in der Hauptstadt auch zahlreiche andere Dienstleister zur Verfügung, die Coachings für Existenzgründer durchführen. Für Einzelcoachings entstehen Ihnen je nach Umfang Kosten von bis zu 3.000 Euro, die aber teilweise über Förderhilfen der Länder, wie etwa das Berliner Programm „Coaching vor der Gründung“, gedeckt werden können.

Als Alternative zu Einzelcoachings vermitteln auch gemeinsame Gründerkurse oder -workshops das notwendige kaufmännische Einmaleins für den Start in die Selbstständigkeit. Entsprechende Angebote zu Existenzgründungsseminaren oder Kursen zur Vorbereitung auf eine Betriebsübernahme  finden Sie etwa bei der IHK Berlin, den Berliner Volkshochschulen oder der Bundesagentur für Arbeit.

6. Selbstständigkeit im Handwerk: Eine geeignete Rechtsform finden

Die Wahl der Rechtsform spielt bei der Unternehmensgründung im Handwerk eine zentrale Rolle. Für welche Rechtsform Sie sich entscheiden, hängt in der Regel von der Anzahl der Gründer sowie dem zur Verfügung stehenden Stammkapital ab:

  • Etwa zwei Drittel aller Existenzgründungen im Handwerk erfolgen als Einzelunternehmen. Hierfür benötigen Sie kein Haftungsvermögen, können steuerliche Vorteile in Anspruch nehmen und haben geringere buchhalterische Anforderungen. Im Insolvenzfall haften Sie in dieser Rechtsform allerdings mit Ihrem Privatvermögen.
  • Jeder fünfte Gründer eines Handwerksbetriebs entscheidet sich für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Im Gegensatz zum Einzelunternehmen haften Sie hier nicht mit Ihrem Privatvermögen, müssen allerdings 25.000 Euro als Stammkapital einbringen.
  • Eine weitere gern gewählte Rechtsform im Handwerk sind Personengesellschaften, z. B. OHG, GbR oder KG, als Zusammenschluss von zwei oder mehr Gründern. Ähnlich wie bei Einzelgesellschaften bestehen bei Personengesellschaften keine Vorschriften zum Mindestkapital. Die Haftung erfolgt allerdings auch hier über das Privatvermögen.


7. Sorgen Sie für eine ausreichende private und betriebliche Absicherung

Um gegen mögliche Risiken gewappnet zu sein, müssen Sie sich als selbstständiger Handwerker aktiv um Ihre private und betriebliche Absicherung kümmern. Im privaten Bereich kommt es dabei neben der Absicherung im Falle von Krankheit, Unfällen oder Berufsunfähigkeit auf eine möglichst weitsichtige Altersvorsorge  an, die Sie nicht auf die lange Bank schieben sollten.

Hinweis: Für zulassungspflichtige Handwerke besteht bis zum Nachweis von mindestens 216 erbrachten Pflichtbeiträgen eine gesetzliche Rentenversicherungspflicht, die mit der Eintragung in die Handwerksrolle beginnt.

Darüber hinaus unterliegt auch Ihr Unternehmen spezifischen Risiken, die über ein maßgeschneidertes Versicherungskonzept abgesichert werden sollten. Die Basis hierfür bilden eine gründliche Risikoanalyse und eine genaue Abwägung Ihres tatsächlichen Bedarfs, da nicht jede potenzielle Gefahrenart automatisch einen Versicherungsschutz erfordert.

Verena Matschke Branchenteam Handwerk

4 Fragen an Verena Matschke - FirmenCenter Gründung und Nachfolge

Viele Handwerksbetriebe dürfen nur gegründet werden, wenn die Gründer einen Meisterbrief vorweisen können. Welche Möglichkeiten gibt es, ein solches Gewerbe ohne Meister anzumelden?

Matschke: Wer sich als selbstständiger Handwerker ein Business aufbauen möchte, jedoch keinen Meisterbrief hat, der kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausnahmebewilligung beantragen. Ein Beispiel hierfür ist der Antrag auf einen gleichwertigen Meistertitel im Ausland oder auch eine Begründung über die Ausübungsberechtigung. Nach §7b „Altgesellenregelung“ können Handwerker nach mind. 6 Jahren als Geselle (davon 4 Jahre in leitender Position) auch ohne Meisterbrief einen eigenen Betrieb gründen. Eine weitere Möglichkeit ist die Anstellung eines Meisters, wobei Gründer allerdings in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten, was wiederum Risiken birgt. Sinnvoll kann diese Option als Übergangslösung sein – etwa wenn der Gründer, der selbstständig sein will, aber ohne Meister-Titel ist, bereits eine Meisterschule besucht. Als Dauerlösung ist von diesem Modell aber eher abzuraten. 

Von Grund auf neu gründen oder einen bestehenden Betrieb übernehmen – Welche Aspekte sollten Handwerker bei dieser Entscheidung bedenken?

Matschke: Beide Möglichkeiten, einen Handwerksbetrieb zu gründen, gehen für Gründer mit Vor- und Nachteilen einher. Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, sollten diese mit Blick auf die individuelle Situation des Gründers gegeneinander abgewogen werden: Eine Neugründung bietet Handwerkern nicht zuletzt den Vorteil, dass der Betrieb vollkommen nach den Wünschen und Vorstellungen des Gründers gestaltet werden kann. Dazu zählt auch die Ausstattung mit neuen Maschinen und die Aufstellung eines eigenen Teams. Eine Übernahme wiederum ermöglicht Gründern einen erleichterten Einstieg. Denn ein solches Unternehmen verfügt bereits über ein eingespieltes Team und ist zudem bereits am Markt positioniert. Darüber hinaus gibt es bei bestehenden Betrieben einen festen Kunden- und Lieferantenstamm, die oft mit übernommen werden können. So sind die Ertragschancen am Anfang höher als bei einer Neugründung. 

Welche Eigenschaften und welche Kenntnisse sollten Handwerker mitbringen, um einen eigenen Betrieb erfolgreich führen zu können?

Matschke: Um einen eigenen Betrieb erfolgreich führen zu können, sind fachliches Knowhow (Meister) und langjährige Berufserfahrung essenziell. Daneben ist außerdem kaufmännisches Wissen von Vorteil. Doch auch Soft Skills sind für selbstständige Handwerker wichtig. Wer einen eigenen Betrieb leiten will, sollte empathisch und durchsetzungsstark mit Kunden umgehen und seine Angestellten kompetent anführen können. Zu guter Letzt sind zudem auch Disziplin und Durchhaltevermögen gefragt. Ein starkes Netzwerk in der Branche sowie Offenheit gegenüber Neuen machen das Skill-Set komplett.  

Damit ein neu gegründeter Betrieb zukunftsfähig ist, sind Kunden eine wichtige Voraussetzung. Wie schaffen es Gründer, Neukunden zu gewinnen und einen festen Kundenstamm aufzubauen?

Matschke: Konservative Werbung in Printmedien oder auch über Flyer; Marktstände, Pop-up Stores etc. können sich im Handwerk durchaus lohnen, um Neukunden zu gewinnen. Daneben ist aber Social-Media-Präsenz zunehmend relevant. Da viele Menschen zudem mehr und mehr online nach Handwerkern suchen, lohnt sich außerdem die Investition in eine ansprechende Website, die regelmäßig gepflegt wird und die SEO-optimiert ist. In der Google-Suche wird die Website so von potenziellen Kunden gut gefunden. Neben diesen Aspekten erleichtert auch ein bereits vor der Gründung bestehendes Netzwerk die Kundenakquise. 

Um neue Kunden schließlich in Bestandskunden umzuwandeln, ist es wichtig, die Kundenbeziehungen zu pflegen. Etwa mit Weihnachts- und Geburtstagsgrüßen, besonderen Rabatten und Kundenveranstaltungen. Ist dazu die Qualität der Handwerksarbeit gut, erhöht das die Chancen auf Weiterempfehlungen. 

Fazit

Eine erfolgreiche Existenzgründung im Handwerk setzt neben beruflichen Fähigkeiten und Qualifikationen auch kaufmännische Kenntnisse voraus. Selbstständige Handwerker sind zu einem wesentlichen Teil auch Unternehmer. Umso wichtiger ist es daher, die verschiedenen Beratungsangebote für Existenzgründer in Anspruch zu nehmen, damit Sie für Ihren Start in die Selbstständigkeit bestmöglich vorbereitet sind.

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