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Interview mit René Eber, Geschäftsführer des SIBB

Petra Sachse, René Ebert und Dr. Christian Segal in der Nähe der Berliner Geschäftsstelle des SIBB.

Interview mit René Ebert, Geschäftsführer des SIBB

Herr Ebert, Sie sind seit mehreren Jahren Geschäftsführer des SIBB, dem Verband der Digitalwirtschaft in Berlin-Brandenburg. Der SIBB ist das große Netzwerk für die Digitalwirtschaft der Region. Das Jahr 2020 stand für uns alle im Zeichen der Corona-Krise. Wie sind Sie persönlich bisher durch diese Zeit gekommen?

Da möchte ich vorausschicken: bisher völlig gesund UND damit einhergehend auch in dem Glauben, niemand angesteckt haben zu können. Natürlich schlagen die Corona-Maßnahmen auch in meinem Privatleben manchmal genau so durch wie bei vielen anderen Menschen auch. Wir sind aber als Familie auch im erweiterten Kreis betrachtet wirklich bisher gut durch diese Zeit gekommen. Darüber bin ich sehr froh auch, wenn man zum Beispiel das Weihnachtfest eben nicht, wie bei uns im Familienkreis sonst üblich, in großer Runde verbringen konnte. Aber ich bin grundsätzlich optimistisch und bin überzeugt, dass es wieder anders kommen wird; Weihnachten 2021 wird dann um so herzlicher gemeinsam zelebriert.

Betrachtet man die Entwicklung des SIBB in den letzten Jahren, so ist die Mitgliederzahl auf mehr als 250 Firmen gewachsen. Wie ist die aktuelle Struktur innerhalb der Mitgliedschaft und bilden sich da Veränderungen innerhalb der Berliner Digitalwirtschaft direkt ab?

Oh, wir sind da schon ein gutes Stück oberhalb der 250er Marke an Mitgliedern im Verband. Die Struktur ist über die letzten Jahre immer heterogener geworden. Das ist aber im Grunde eine ganz klare Spiegelung der Entwicklung der früheren IKT-Branche hin zu einer breiter aufgestellten und auch wahrgenommenen Digitalwirtschaft. Also insofern; ja, die Branche in der gesamten Region verändert sich stetig und ich kann sagen, dass genau das auch unseren Vorständen, die übrigens im Dezember neu gewählt wurden und dem gesamten aktuell aus 12 top engagierten KollegInnen bestehenden Team einen unheimlichen Spaß macht. Diese Veränderungen mit zu erleben und durch die Arbeit des SIBB auch mit zu begleiten und auch an so mancher Stelle mit zu gestalten ist ein starker Motivationsfaktor für unsere tägliche Arbeit.

Der SIBB bietet seinen Mitgliedern eine Vielzahl von Fachforen mit unterschiedlichsten Themen, von e-Health über Foodtech bis hin zu Industrie 4.0. Wie ist die Resonanz auf dieses breite Angebot?

Sie haben vollkommen recht, Herr Dr. Segal; wir bieten über die Foren des SIBB eine Vielzahl von Fachthemen für die Branche und weit darüber hinaus. Im ersten Quartal 2021 werden wir die Forenstruktur noch um ein weiteres Forum erweitern, welches den Titel „SIBB Forum SaaS & Subscription Economy“ tragen wird. Damit greifen wir direkt auch in einem Fachforum des Verbandes den Trend des sich kontinuierlich verändernden Verbraucherverhaltens auf, bei dem Kunden die kontinuierliche Nutzung von Services dem einmaligen Kauf eines Produktes vorziehen. Die Digitalwirtschaft ist hierbei mit Ihren Produkten und Services prädestiniert und Vorreiter aber immer mehr andere Branchen portieren ihre Geschäftsmodelle in die Welt der Abo-Modelle. Wir freuen uns im SIBB-Team schon jetzt auf spannende Fachveranstaltungen in diesem Bereich auch mit Einbindung von Unternehmen über die Grenzen der reinen Digitalwirtschaft hinaus.
Sie fragten aber konkret nach der Resonanz auf die Angebote des SIBB. Da muss ich dem gesamten Team des SIBB und aber auch den rund 40 sehr engagierten ForensprecherInnen aus den Unternehmen des Verbandes ein ganz großes Kompliment machen! Ich bin immer wieder begeistert, was wir an Themen auf die Beine stellen und mit welchen Spitzen-ExpertInnen wir in die Diskussionen gehen können. Und genau das sind die Gründe, warum unsere Angebote auf wirklich gutes Resonanz stoßen. Aber da können wir uns natürlich nicht darauf ausruhen, sondern müssen immer zu jeder einzelnen Aktivität hellwach sein und eine Veranstaltung wirklich exzellent kuratieren. Und da habe ich großes Vertrauen in unser Team und bin wirklich stolz auf die Leistungen unserer MitarbeiterInnen.

Sie haben in diesem Jahr viele Veranstaltungen und Seminare mit Hilfe digitaler Tools durchgeführt. Werden Sie in Zukunft solche Formate verstärkt nutzen, auch nach Beendigung der Pandemie?

In der Tat, wir haben im März / April 2020 dann sehr schnell umgestellt rein auf Online-Formate. Und es ist wirklich gut gelungen, die Branchenvertreter auch für diese digitalen Formate zu begeistern. Für die Beantwortung Ihrer Frage würde ich sehr gern die Erkenntnisse einer Umfrage heranziehen, die wir genau zu diesem Themenbereich im September durchgeführt hatten. Wir haben unter der Überschrift „Online-Events vs. Präsenzveranstaltungen: Webinare sind noch längst keine Normalität“ eine Reihe von Fragen an die Branche gestellt. Die Mehrheit der Befragten hat dabei angegeben in der Covid-19-Phase, so weit es erlaubt ist, eine Präsenzveranstaltung zu besuchen, wenn sie das Thema interessiert und die geltenden Hygienemaßnahmen eingehalten werden (81%). Und sind Veranstaltungen völlig identisch in ihrer Agenda, gaben genau zwei Drittel (66,6%) an, sich dafür zu entscheiden, ihr lieber physisch beizuwohnen. Und der Großteil der Befragten (70 %) gab eben auch an, sich generell eine Mischung aus Online-Events und Präsenzveranstaltungen zu wünschen. Sie können also grad aus der letzten Äußerung ganz klar ablesen, dass es sicherlich in einen Modus übergehen wird, in dem beide Varianten in Zukunft ihre Berechtigung in gutem Einklang miteinander haben werden. Und das sehe ich persönlich absolut deckungsgleich und wir werden uns vom SIBB aus auch in Zukunft, wenn hoffentlich bald Kontaktbeschränkungen der Vergangenheit angehören, in diesen beiden Welten also Online-Formate UND Präsenzveranstaltungen mit unseren Angeboten virtuos bewegen.

Lassen Sie uns nun auf die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in der Digitalwirtschaft eingehen. Wie hat sich die Corona-Krise bisher auf die Situation Ihrer Mitgliedsunternehmen ausgewirkt und welchen Ausblick sehen Sie für das neue Jahr?

Nun ja, das ist eine häufig gestellte Frage in den letzten Monaten, die immer etwas knifflig zu beantworten ist. Bitte bedenken Sie, die Unternehmen unserer Industrie sind ja Partner, Dienstleister und oft auch überhaupt erst initialer „Möglichmacher“ für die Abwicklung von Geschäftsprozessen in anderen Branchen. Informationstechnologie ist ja an sich kein Selbstzweck sondern bedingt in aller Regel immer eines Anwendungsfalles also eines Einsatzzweckes. Das bedeutet im Umkehrschluss; geht es einer bestimmten Branche schlecht; können zum Beispiel aus Gründen eines kompletten Runterfahrens der Geschäftstätigkeit (Lockdown) keine Investitionen in Digitale Geschäftsprozesse getätigt werden, geht es auch dem IT-Dienstleister, der zum Beispiel bislang ein verlässlicher Partner dieses Unternehmens war, tendenziell schlechter. Wir haben solche Unternehmen in der Region; im SIBB als Mitglieder, die eben auf Grund ihrer Kundenstruktur eine gewisse Durstrecke gemeinsam mit ihren Kunden durchlaufen. Aber die deutliche Mehrheit der Unternehmen der Digitalwirtschaft sind bisher gut durch diese letzten Monate gekommen. Dies ist ja nun auch schon häufiger in den letzten Monaten zu hören und zu lesen gewesen, nämlich dass Covid-19 eine Beschleunigung der Digitalisierung bewirkt. Viele IT-Projekte wurden in den letzten Monaten angeschoben, die vielleicht vorher noch auf Grund von Bedenken in den Fachabteilungen oder auf Grund von Budgetrestriktionen in den Entscheidungsebenen oder auch noch aus ganz anderen Gründen nie wirklich ernsthaft angegangen wurden. Da hat Covid-19 zu einem klaren Umdenken mit beigetragen und natürlich wirkt sich das auch auf die Auslastung unserer Unternehmen aus, die ja die Digitalisierung mit Ihren Produkten und Services und vor allem mit den Know-how Ihrer Mitarbeitenden voranbringen. Viele Unternehmen der Privatwirtschaft sind da, das muss man klar analysieren, schon länger sensibilisiert und investieren stetig und strategisch in ihre Digitalisierung. Der Öffentliche Sektor in Berlin und Brandenburg hat noch deutlichen Nachholbedarf. Aber wir bleiben als Branchenvertretung optimistisch und freuen uns über wahrnehmbare Fortschritte und pflegen einen regelmäßigen intensiven Austausch mit den in Berlin und Brandenburg in erster Linie für die Digitalisierung der Verwaltung zuständigen Landeseigenen Betrieben wie dem Brandenburger ZIT-BB und dem Berliner ITDZ.

Als Berliner Sparkasse haben wir vor, in den nächsten Jahren unseren Marktanteil in der Region weiter auszubauen, insbesondere auch bei den Unternehmen der Digitalwirtschaft. Worauf achten Ihre Mitglieder bei der Auswahl ihrer Bank besonders?

Die Antwort ist schon fast in Ihrer Frage enthalten Frau Sachse. Die UnternehmerInnen der Digitalwirtschaft sind es gewohnt, digital zu arbeiten und in ihren Unternehmensprozessen digital zu denken und zu handeln, wo immer das möglich ist. Und somit arbeitet die Geschäftsführerin, der Vorstand eines Digitalwirtschaftsunternehmens natürlich bevorzugt mit Partnern zusammen, die ganz ähnlich denken und agieren. Aber natürlich müssen die Bank-Produkte in ihren Konditionen und ihrer Flexibilität stimmig sein und zu den speziellen Bedürfnissen unserer Branche passen. In dieser Hinsicht mache ich mir aber keine tiefergehenden Sorgen, was das Produktportfolio betrifft und auch kein Sorgen, was das Engagement und das emphatische Vermögen der MitarbeiterInnen der Berliner Sparkasse betrifft.

Zum Schluss vielleicht ein Blick in die ferne Zukunft: Wenn wir uns 2030 hier wiedertreffen, was wird der SIBB bis dahin alles bewegt haben?

Da es als SIBB in unserer DNA liegt und auch in der Satzung als Metazweck des Verbandes fest verankert geschrieben steht, werden wir die Digitalwirtschaft der Region weiter voran gebracht haben und mit dazu beigetragen haben, dass international Berlin-Brandenburg einen exzellenten Ruf als Standort der Informatik-getriebenen Unternehmen und Geschäftsmodelle genießt. Und ich gehe ganz stark von einer zunehmenden internationalen Geschäftsaktivität unserer Firmen aus und daran werden wir als SIBB mit unseren Aktivitäten in den verschiedenen Internationalisierungsprojekten sicherlich einen guten Beitrag geleistet haben, wenn man dann von 2030 aus zurückblickt. Ich freue mich, wenn man so will, diebisch auf die Weiterentwicklung der Branche aus unserer Region heraus. Die Voraussetzungen sind für diese skizzierte Entwicklung gut aber Achtung; anderer Regionen schlafen nicht. Das heißt, wir müssen als Vertretung der regionalen Branche kooperativ mit Politik und Verwaltung der beiden Bundesländer Berlin und Brandenburg stetig daran arbeiten, die Rahmenparameter immer gut im Blick zu haben und zum Besseren zu justieren. Hier fällt mir vor allem der Bereich Informatik-AbsolventInnen aus den Hochschulen unserer Region ein.

Herr Ebert, wir danken Ihnen sehr für das Gespräch und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

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