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Petra Sache (Vertriebsleiterin Medien- und Kreativwirtschaft der Berliner Sparkasse), Andrea Peters (Vorständin der media:net berlinbrandenburg), Dr. Christian Segal (Vertriebsleiter Digitalwirtschaft der Berliner Sparkasse)

Interview mit Andrea Peters, Vorstandsvorsitzende der media:net berlinbrandenburg

Frau Peters, Sie sind seit 13 Jahren Vorstandsvorsitzende des zentralen Netzwerks für die Medien-, Games-, Tech- und Digitalwirtschaft der Hauptstadtregion: media:net berlinbrandenburg. Wie sind Sie persönlich durch die ersten Monate der Coronazeit gekommen und waren das für Sie die anspruchsvollsten Ihrer Amtszeit?

Das waren sie auf jeden Fall. Persönlich finde ich, dass man auch einiges Positives aus dieser Zeit ziehen kann, weil man mal gelernt hat, sich etwas zu besinnen und zu schauen: Was ist wirklich wichtig in meinem Leben? Und dann aus diesem sehr konsum- und materiellorientierten Strom mal wieder ein bisschen rauskam. Dieser Moment der Besinnung könnte aber von mir aus jetzt auch zu Ende sein. Ich habe viel gelernt über mich und mein Leben und werde sicherlich viel mit in die Zukunft nehmen, aber letztendlich würden wir uns alle freuen, wenn wir nun wieder zur alten Normalität zurückkehren oder zur neuen Normalität übergehen könnten.

Mir war schon im März bewusst, dass Corona Auswirkungen auf das  media:net haben wird – auf unsere Arbeit, aber vor allen Dingen auch wirtschaftlich. Aber in dem Maße hätte ich nie damit gerechnet. Ich habe damals gleich ein neues Budget aufgestellt – ein Forecast. Mit der Annahme, es wird in diesem Jahr keine physischen Veranstaltungen mehr geben, hatten wir auf einmal nur noch die Hälfte des Umsatzes. Was natürlich auch Auswirkungen auf die Personal- und Infrastruktur bedeutet. D.h. auch wir mussten damals relativ spontan in Kurzarbeit gehen. Gar nicht, weil nicht die Arbeit da war, sondern weil wir Kosten einsparen mussten. Das Team vom media:net hat das super mitgemacht. Es hat im Grunde die Arbeit mit einem geringeren Kontingent an Stunden fortgesetzt.
 

Welche Erwartungshaltung hatten denn Ihre Mitglieder und Partner in der Zeit?

Unternehmen, Sponsoren wie die Berliner Sparkasse und auch die Länder Berlin und Brandenburg haben relativ schnell umgeswitcht und erkannt: Es gibt keinen anderen als den digitalen Weg, um zukünftig mit unseren Kunden, Mitgliedern, Branchen da draußen im Kontakt zu sein. In einem halben Jahr Corona gab es eigentlich nur ein Unternehmen, das tatsächlich gesagt hat: Nein, wir gehen diesen Online-Weg nicht mit.

Wir haben dann bestehende Formate ins Digitale transformiert. Z.B. den Mediengipfel am 30. September, aber auch viele Runde Tische und Seminare. Wir haben auch neue Formate entwickelt, wie die Podcasts und die Live-Streamings, die die Berliner Sparkasse auch unterstützt hat. Und man muss wirklich sagen, alle haben mitgezogen. Das ging sogar so weit, dass viele gar keine Offline-Events mehr sponsern oder fördern durften. Es ist im Moment einfacher, für Online-Events Sponsoren zu finden. Weil unsere Partner Auflagen haben, gar nicht auf Veranstaltungen zu gehen. Das ist auch ein halbes Jahr nach Ausbruch von Corona eine Herausforderung, Partner und Mitglieder – im Grunde Gäste – davon zu überzeugen, nach und nach in die Offline-Welt zurückzukehren. Sechs Monate später kann man also sagen, dass wir beim media:net die Zeit wahnsinnig gut gemeistert haben und ganz zufrieden sind. Aber wir sind sicherlich alle noch lange nicht da durch.
 

Wie sind Ihre Mitgliedsunternehmen bisher durch die Krise gekommen?

Generell betrachtet, ist es im Moment noch sehr erfreulich, wie wenig Insolvenzen unsere Mitgliedsunternehmen uns im Laufe des letzten halben Jahres mitgeteilt haben. Es sind im Grunde nicht mehr als in den Jahren zuvor. Wir rechnen aber natürlich damit, dass das noch kommen kann.

Aber da bei uns sowohl Medien-, als auch Digital- und Kreativunternehmen vertreten sind, muss man sich das für die einzelnen Branchen anschauen.

Vor allen Dingen in der Veranstaltungsbranche rechne ich mit Geschäftsaufgaben, wenn es jetzt nicht langsam Lockerungen gibt und die Gesellschaft die Angebote nicht auch wieder annimmt.

Im Teilen der Digitalwirtschaft wiederum hat es einen wahnsinnigen Schub gegeben. Die Aufmerksamkeit für junge Startups im Bereich Bildung, Gesundheit, eCommerce oder Logistik wird in Zukunft daher zunehmen. Und dennoch haben junge Startups – das wissen Sie wahrscheinlich sogar besser als ich – Probleme aufgrund ihrer Liquidität, oder auch weil Investorenzusagen kurzfristig abgesagt wurden.

Das Segment Games hat einen deutlichen Aufschwung erlebt. Es wurde bis zu zehnmal so viel gespielt wie vor Corona. Die Frage ist: Profitieren davon auch kleinere Studios, die wir hier in Berlin hauptsächlich haben? Oder sind das die großen Companys, denen es sowieso bereits gut geht? Spannend finde ich, dass wir in letzter Zeit unglaublich viele Anfragen nach Games und Gamification aus der Industrie und dem Bildungsbereich haben.

Der Bereich Film und Fernsehen hat extrem gelitten oder leidet immer noch. Wir freuen uns alle, dass wieder gedreht wird. Aber natürlich gehen im Moment große Produktionen wieder an den Start, die sich die ganzen Hygienemaßnahmen, die jetzt notwendig sind, auch leisten können. Kleinere Produktionen haben es da nicht so leicht, und das wird noch Folgen haben in 2021. Sicherlich wird 2021 in allen Bereichen der Medien, Digital- und Kreativwirtschaft das Jahr der Entscheidungen.


Welche wirtschaftliche Entwicklung erwarten Sie innerhalb Ihrer Branche für die restlichen Monate des Jahres und für 2021?

Ich höre noch nicht, dass in den Unternehmen Massenentlassungen anstehen. Sondern ganz im Gegenteil. Dadurch, dass sie mit Home-Office-Regelungen und Remote arbeiten, entspannt sich die Situation eher.

Grundsätzlich rechne ich damit, dass die Unternehmen 2020 einigermaßen überstehen werden, weil sie von dem einen oder anderen Landes- und Bundesförderprogramm profitieren werden. Es werden ja auch nach und nach wieder welche aufgelegt. 2021 wird sicherlich dann das Jahr der Entscheidung.

Dazu kommt noch der Fachkräftemangel, der sich durch Corona nicht aufgelöst hat. Ich persönlich glaube, dass sich vor allen Dingen junge Unternehmerinnen und Unternehmer irgendwann für eine Festanstellung entscheiden könnten, statt selber zu produzieren. Dass sie lieber als abgesicherte Redakteure zu Netflix gehen, zur Ufa oder zum Studio. Denn bevor ich mich als Unternehmer, Selbstständiger, Produzent künftig nur noch mit Themen wie Soforthilfen, Bilanzen und Krediten beschäftige, gehe ich doch lieber zur Ufa und mache nur, was mir Spaß macht. Ich glaube, dass sich das Thema Gründen in der wirklich klassischen Medienwirtschaft noch verändern wird.


Sie sprachen die neuen Formate wie Videokonferenzen oder -seminare an. Werden Sie in Zukunft solche Formate verstärkt nutzen, auch nach Beendigung der Pandemie?

Wir werden sie weiterhin nutzen, auch intern, weil wir dadurch extrem viel Zeit sparen. Zum Beispiel, indem wir Zoom nutzen statt vom Potsdamer ins Berliner Büro zu fahren und umgekehrt.

Was die Angebote an unsere Mitglieder angeht, wird es mit Sicherheit eine Mischung sein. Alles, was eher informativen Charakter hat, z.B. Seminare zu Themen Finanzierungen oder Arbeitsrecht, geht auch online. Eine Stunde Vortrag und danach noch Fragen, so etwas kann man sehr gut online machen. Letztendlich haben wir online sogar viel mehr Teilnehmer als vorher. Auch die neuen Streaming-Formate oder Podcasts werden wir weiterführen, weil wir sie sowieso seit Jahren machen wollten und sie extrem gut ankommen. 

Was uns fehlt, sind Events, deren Kern die Vernetzung ist, bei denen Menschen in einer tollen Atmosphäre bei einem guten Essen, bei guten Getränken miteinander ins Gespräch kommen. Das Mediendinner, Goes Christmas, das Investors Dinner und andere Formate werden wir ab jetzt nach und nach wieder umsetzen. Wir versuchen es und starten dabei mit Veranstaltungen bis 50 Personen. 


Betrachtet man die Entwicklung des media:net in den letzten Jahren, so ist die Mitgliederzahl erheblich auf aktuell mehr als 430 Firmen gewachsen. Wie ist die aktuelle Struktur innerhalb der Mitgliedschaft und bilden sich da Veränderungen innerhalb der Berliner Wirtschaft direkt ab?

Letztendlich ist das media:net eine Art Spiegelbild des Standorts. So wie sich die Berliner Medien-, Kreativ- und Digitalwirtschaft entwickelt, so verändert sich auch unsere Mitgliederstruktur. Mal mit Branchen, die leiden, und mal mit Branchen, die stärker werden. Das ist ja auch der Vorteil des extremen MKW-Wachstums: dass schwächelnden Branchen sowie Kündigungen oder Insolvenzen immer andere gegenüberstehen, die das wieder ausgleichen.

Als ich vor 13 Jahren angefangen habe, da hatten wir Film, Werbung, Musik und Verlage. That´s it. Heute bildet sich im media:net als sehr starke Einzelbranche auch die Digitalwirtschaft ab, junge Startups, eCommerce, viele Unternehmen, die im engeren Sinne gar nicht mehr Medien- oder Kreativwirtschaft sind. Über 100 Mitglieder stammen inzwischen aus dem Bereich Games, das ist unsere größte Einzelbranche. Und dann kommen Fernsehen, Werbung, und, und, und.


Als Berliner Sparkasse haben wir vor, in den nächsten Jahren unseren Marktanteil in der Region weiter auszubauen, insbesondere auch bei den Unternehmen der Kreativ- und Digitalwirtschaft. Worauf achten Ihre Mitglieder bei der Auswahl ihrer Bank besonders?

Die Medien-und Kreativwirtschaft ist ein absolutes Peoples Business, d.h. es kommt extrem darauf an: Kann ich den, der mir da gegenübersitzt, leiden und riechen oder nicht. Das gilt auch für den Kundenberater oder meinen Betreuer bei der Sparkasse. Das hat nicht nur eine menschlich-kommunikative Ebene: Die Akteure in den Branchen wollen einfach das Gefühl haben, mir sitzt jemand gegenüber, der weiß, wie wir funktionieren und wie wir ticken. Der ist sogar ein Supporter, jemand, der oder die alles dafür tut, dass wir eine Lösung finden und nicht als erstes die Probleme sieht. Zur Kompetenz zählt auch zu wissen, warum ein Produzent oder ein Games-Unternehmen bestimmte Anforderungen hat. Von der Herangehensweise bis hin zur Möglichkeit von Finanzierungen. Kredite zu decken, Absicherungen, Rücklagen und was es da alles gibt. Deswegen finde ich es gut, dass Sie jetzt Branchenteams haben. Ich halte es für elementar, dass die Beraterinnen und Berater ausstrahlen, dass sie für unsere Branchen eine Leidenschaft mitbringen und alles dafür tun werden, dass es den Unternehmen hier am Standort Berlin bessergeht.


Wenn wir uns 2030 hier wiedertreffen, was wird das media:net bis dahin bewegt haben?

Das kann ich schwer beantworten, weil ich das media:net zum Anfang des nächsten Jahres in andere Hände geben werde. Ich denke, dass es das media:net berlinbrandenburg in 10 Jahren immer noch geben wird, denn unsere Mitgliederzahlen wachsen. Weil Krisen ein gutes Netzwerk umso wichtiger machen. Unsere Sorge war, dass jetzt keiner mehr in physische Netzwerke geht. Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben in diesem Jahr viele individuell vernetzt und uns damit schon gegen LinkedIn und Xing behauptet. Ich persönlich hoffe, dass ich 2030 auf 10 Jahre Theaterkunst zurückblicken kann und dort dieselbe kleine Erfolgsgeschichte hingelegt habe wie mit media:net.


Frau Peters, wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

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