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Die wichtigsten Fakten zu Altersarmut in Berlin.

Arm im Alter: Frauen sind besonders betroffen

Woher die Armutsgefährdung im Alter kommt und was Sie dagegen tun können

Bekommen wir zu wenig Rente?

Der Standardrentner der Deutschen Rentenversicherung zahlt per Definition 45 Jahre lang in die Rentenkasse ein und erhält in dieser Zeit stets ein Entgelt in Höhe des Durchschnitts aller Beitragszahler. Im Jahr 2018 lag die sich daraus ergebende sogenannte Standard- oder Eckrente bei 1.441,35 Euro im Westen und bei 1.381,05 Euro im Osten. Ein sehr optimistisches Rechenbeispiel.

Laut einer Studie des Pestel-Instituts  können in Berlin 35 bis 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten allerdings nur mit einer Rente von maximal 800 Euro pro Monat rechnen. Denn in der Realität kommt der Durchschnittsdeutsche auf weniger Beitragsjahre bei der Rentenversicherung.

Männer bedienen die Rentenkasse bis zu ihrem Ruhestand im Schnitt immerhin knapp 40 Jahre. Frauen zahlen nur knapp 28 Jahre ein. Das hat einen einfachen Grund:  Frauen arbeiten vermehrt in Teilzeit und werden durchschnittlich nach wie vor schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Schon entsteht der sogenannte Renten Gap .

Wenn dann auch noch das Gehalt regelmäßig unter dem Durchschnitt liegt oder sich durch die Familienplanung Lücken im Erwerbsleben ergeben, führt das zu einer deutlich niedrigeren Rente. Die Zahlen des Sozialberichts Berlin und Brandenburg machen deutlich: Ab 65 Jahren liegt das Armutsrisiko in Berlin bei mehr als 10 Prozent, für Frauen sogar um weitere zwei Prozentpunkte über dem der gleichaltrigen Männer.

Was bedeutet armutsgefährdet?

Wem weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens zur Verfügung stehen, gilt statistisch gesehen als armutsgefährdet. In Berlin liegt die Armutsgefährdungsschwelle laut dem Amt für Statistik derzeit bei 923 Euro monatlich.

Die Berliner Bezirke mit dem höchsten Anteil an armutsgefährdeten Einwohnern bilden Neukölln (26,8 Prozent), Mitte (24,8 Prozent) sowie Spandau (23,2 Prozent). Die Bezirke Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick und Pankow stehen mit jeweils 10,5 Prozent beziehungsweise 6,4 Prozent (Pankow) vergleichsweise am besten da.

Wohnen wir uns arm?

Mit der Rente sinkt für die meisten die Summe, die sie monatlich zur Verfügung haben. Miete, Heiz- und Nebenkosten wollen aber natürlich weiterhin bezahlt werden. Pensionäre können auch nicht einfach in eine kleinere Wohnung umziehen. Denn die Mieten steigen: Der Quadratmeter in Friedrichshain-Kreuzberg wird inzwischen für durchschnittlich 13 Euro Kaltmiete angeboten. Noch nie war Wohnraum hier teurer als heute – und seniorengerechte Wohnungen gibt es in Berlin aktuell sowieso viel zu wenige.

Im Good Aging Index 2018, einer Studie zum Altern in Deutschland, äußern 36 Prozent der älteren Berliner konkrete Sorgen, die Kosten für das Haus oder die Wohnung künftig nicht mehr tragen zu können. An Geld für den nächsten Restaurantbesuch, für Zoobesuche mit den Enkeln oder eine neue Brille ist dabei erst recht nicht zu denken.

Und tatsächlich: Die Anzahl der Beantragungen der staatlichen Grundsicherung im Alter (SGB XII) ist in den letzten Jahren in Berlin gestiegen. Denn manchmal reicht das Geld am Monatsende nicht einmal mehr für den Einkauf im Discounter. Die Grundsicherung hilft, den Bedarf des täglichen Lebens bezahlen zu können. 

Malochen bis zum Tod – Medienpanik oder Realität?

In einem Gastbeitrag für „Die Zeit“  rund um das Thema Altersarmut bei Frauen beschreibt Altersforscherin Irene Götz von der Ludwig-Maximilians-Universität München bedrückende Szenarien: Die von der Wissenschaftlerin befragten Frauen hatten vielfach grundlegende Existenzprobleme, manche heizten nur noch ein Zimmer in ihrer Wohnung. Andere Sparmaßnahmen bestanden darin, Supermärkte nach besonders billigen Lebensmitteln zu durchforsten oder Kohlrabi auszukochen, der weggeworfen worden war. Letztlich wurde sogar auf Kosten der Gesundheit gespart, wenn sich die Frauen mit Mini-Rente ihre Zahnschmerzen nicht mehr behandeln ließen.

Andere Medien beschreiben Rentner, die sich bis ins hohe Alter mit körperlich anstrengenden Nebenjobs über Wasser halten müssen, indem sie zum Beispiel jeden Tag um sechs Uhr morgens die Zeitungen austragen. Auch Flaschensammeln wird als potentielle Einnahmequelle bedürftiger Pensionäre beschrieben. Sozialer Rückzug verschärft die Situation der Betroffenen zusätzlich.

Natürlich werden Fragen der Alterssicherung und prekäre Lebenslagen älterer Menschen gerne öffentlichkeitswirksam verwertet und ausgeschmückt. Tatsache ist aber: Jede vierte Frau über 65 ist finanziell abhängig von ihren Angehörigen.

In Berlin ist knapp jeder bzw. jede Fünfte 65 Jahre und älter, darunter sind 58,1 Prozent Frauen. Mit steigendem Alter erhöht sich dieser Anteil und ist in der Altersgruppe ab 90 Jahren mit 83 Prozent Frauen am höchsten. Die Folge der unterbrochenen Erwerbsbiographien, der Ausweitung von Beschäftigungsverhältnissen im Niedriglohnsektor und der rentenrechtlichen Veränderungen: Jede fünfte alleinlebende Frau über 65 muss mit weniger als 900 Euro monatlich auskommen.

Warum scheuen viele Bedürftige den Antrag auf Grundsicherung?

Es gibt eine einfache Faustregel der Deutschen Rentenversicherung: Wenn Ihr gesamtes Monatseinkommen unter 865 Euro liegt, sollten Sie
einen Anspruch auf Grundsicherung prüfen lassen. Die Grundsicherung wird unabhängig davon gezahlt, ob Sie bereits eine Altersrente erhalten.

Im Dezember 2018 bezogen in Deutschland insgesamt knapp 560.000 Personen ab 65 Jahren Leistungen der Grundsicherung im Alter. Davon allein in Berlin 43.815 Personen (20.699 Männer und 23.116 Frauen).

In Wahrheit ist die Zahl der Bedürftigen wohl viel höher. Gerade ältere Menschen scheuen sich davor, Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen – aus Scham oder aus Sorge, ihre Kinder könnten zur Kasse gebeten werden. Dabei ist diese Sorge unberechtigt: Die Grundsicherung wird unabhängig vom Einkommen der Kinder gewährt – es sei denn, dass im Einzelfall ein sehr hohes Einkommen (mehr als 100.000 Euro Brutto/jährlich) vorhanden ist.

Die Höhe der bewilligten Unterstützung wird für jeden Antragsteller individuell berechnet. Dem Statistischen Bundesamt zufolge lag der durchschnittliche Bedarf 2018 bei 1.042,72 Euro, wenn keinerlei anrechenbares Einkommen vorhanden ist.

Armut statt Ruhestand?

Das Statistische Bundesamt hat hochgerechnet, dass in etwa 15 Jahren wegen der geburtenstarken Jahrgänge 24 Millionen Bürger in Deutschland über 65 Jahre alt sein werden: Das sind sechs Millionen mehr Rentner als jetzt.

Einer Prognose des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung  zufolge werden 27,8 Prozent dieser Pensionäre von staatlichen Leistungen abhängig sein. Folglich sollte sich heute niemand mehr allein auf die staatliche Rente verlassen und privat fürs Alter vorsorgen.

Wie lässt sich Altersarmut verhindern?

Die beste Empfehlung ist es, das Thema Altersvorsorge möglichst früh in die eigenen Hände zu nehmen. Besonders Frauen sollten regelmäßig Geld für sich selbst anlegen, um im Alter finanziell unabhängig zu sein – ohne Unterstützung ihrer Kinder oder Enkel. Wer den Sparanteil für die Altersvorsorge frühzeitig und langfristig einkalkuliert, kann auch mit kleinen Beträgen bis zum Rentenbeginn eine stattliche Summe erreichen.

Sprechen Sie bei allen Fragen rund um das Thema Altersvorsorge einfach einen unserer Berater an. Wir helfen Ihnen gerne weiter.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zur Altersvorsorge.

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