Foto: Karsten Floegel

„Wow, das ist ein echter Fortschritt!“

Seit 25 Jahren gibt es die „Lange Nacht der Wissenschaften“ (LNDW). Auch die Berliner Sparkasse unterstützt dieses Megaevent, an dem sich Institute und Hochschulen hinter die Kulissen schauen lassen und Experimente, Wissenschaftsshows und Laborführungen veranstalten. Eine der Organisatorinnen ist Nicola Rother, die im Interview erklärt, was die LNDW so spannend macht.

Frau Rother, Sie leiten die Geschäftsstelle der Langen Nacht der Wissenschaften. Was ist Ihr persönlicher Bezug zu Wissenschaft und Forschung?

Nicola Rother: Ich habe früher bei den T-Labs gearbeitet, das ist die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Deutschen Telekom. Da war ich für den Eventbereich zuständig und somit ganz nah dran an Forschungsprojekten. Da habe ich gesehen, wie Forschungsprojekte strukturiert sind und wie wichtig es ist, der Öffentlichkeit zu zeigen, woran geforscht wird und wie Forschung funktioniert. Genau darum geht es bei der Langen Nacht der Wissenschaften. 

Sie konnten in diesem Jahr das 25-jährige Jubiläum der LNDW feiern. Wie sieht die Erfolgsbilanz aus?

Nicola Rother: Ja, wir feiern 25 Jahre kluge Köpfe und große Ideen. In diesem Jahr hatten wir rund 50 teilnehmende Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen, Forschungsinstitute und wissenschaftsnahe Einrichtungen, die insgesamt über 1.000 einzelne Programmpunkte angeboten haben. Wir freuen uns, dass wir auch nach 25 Jahren immer wieder neue Einrichtungen gewinnen können. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir mit 36.000 Besucherinnen und Besuchern einen enormen Besucheranstieg hatten. 

Das klingt gut. Welche neuen Einrichtungen sind denn dazugekommen?

Nicola Rother: Eine Besonderheit ist die Europa-Universität Viadrina, die ja gar nicht in Berlin sitzt, sondern in Frankfurt (Oder). Trotzdem hat sie sich bei der Langen Nacht der Wissenschaft präsentiert, weil es in Berlin natürlich viele potenzielle Studierende gibt und weil der Austausch mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hier einfach möglich ist. Wichtige weitere neue Player waren zum Beispiel die Sigmund Freud Privatuniversität und der Forschungscampus Dahlem, an dem sich sieben Einrichtungen der Stiftung preußischer Kulturbesitz zusammengeschlossen haben. 

Nicola Rother ist eine der Organisatorinnen der „Langen Nacht der Wissenschaften“ in Berlin. Foto: Felix Petermann

Was hat Sie am meisten beeindruckt bei dieser Jubiläumsnacht?

Nicola Rother: Es ist immer wieder großartig zu sehen, dass es hier Wissenschaft zum Mitmachen gibt. Ich habe zum Beispiel selbst eine Biopsie durchführen können, natürlich nicht an einem Menschen, sondern an einem Apfel. Aber auf diese Weise habe ich ein tieferes Verständnis für diese medizinische Untersuchungsmethode gewinnen können. Außerdem habe ich gelernt, dass das leidige Spritzen bei Diabetes dank einer Stammzellentherapie womöglich bald der Vergangenheit angehören könnte. Da dachte ich nur: Wow, das ist ein echter Fortschritt. 

Liegt darin das Ziel der LNDW, Wissenschaft begreifbar zu machen?

Nicola Rother: Ja, wir zeigen, wie Wissenschaft in ihrer ganzen Vielfalt funktioniert. Bei uns gibt es Einblicke in Künstliche Intelligenz, Klimawandel, Medizin, Ernährung, aber auch kulturelle Themen oder Dinge, die wir eher aus dem Fernsehen kennen wie Kriminaltechnik. Es geht auch darum, den Dialog über Wissenschaft hochzuhalten und eine faktenbasierte Kommunikation zu fördern. Gerade junge Menschen wollen wir dafür sensibilisieren, wo sie hinterfragen sollten, um nicht Fake-News auf den Leim zu gehen. Überhaupt ist es toll zu sehen, dass der Nachwuchs sich für Wissenschaft interessiert. Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren machen mit 27 Prozent den größten Anteil an Besuchern der Langen Nacht der Wissenschaft aus. Wenn man den Gesprächen der jungen Leute lauscht, die sich wirklich kritisch-interessiert mit den Themen auseinandersetzen, dann stimmt mich das sehr zuversichtlich. 

Die Charité bei der LNDW. Foto: Sabine Gudath

Die HTW Berlin bei der LNDW. Foto: Alexander Rentsch

Die Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung (BAM) Foto: BAM

Wie ist die Lange Nacht der Wissenschaften entstanden?

Nicola Rother: Was damals als lockerer Zusammenschluss einer Handvoll engagierter Einrichtungen und Einzelpersonen begann, wurde rund zehn Jahre später zum Verein der Langen Nacht der Wissenschaften, der inzwischen mit 16 Mitgliedern zum Erfolg einer der größten Wissenschaftsveranstaltungen Deutschlands beiträgt. Das Veranstaltungsformat orientierte sich anfangs an der erfolgreichen „Langen Nacht der Museen“ in Berlin, deren Organisatoren halfen die Lange Nacht der Wissenschaften auf die Beine zu stellen. Im Rahmen des Wissenschaftssommers 2001 fand dann die erste Lange Nacht der Wissenschaften statt. Das gelingt bis heute aber nur, weil uns Partner wie etwa die Berliner Sparkasse regelmäßig unterstützen, um den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft zu fördern. Dieser Zuspruch freut uns sehr. 

Wie ist das Feedback von den Institutionen? Macht den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaften so ein Event auch selbst Spaß?

Nicola Rother: Ja, auf jeden Fall. Wenn Sie selbst dabei waren, werden Sie erlebt haben mit wie viel Freude und Begeisterung die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungsprojekte erklären. Wenn Besucherinnen und Besucher Teil des Geschehens sind – etwa bei Experimenten –, dann sorgt das für ein tieferes Verständnis von wissenschaftlichen Fakten. Umgekehrt gibt’s dann auch wertvolles Feedback: Bei einzelnen Vorführungen kommt schon mal die Frage ans Publikum: „Was können wir besser machen?“ Also, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen die LNDW, um ihre Kommunikations-Skills zu optimieren. Es ist eine gute Plattform für den Wissenstransfer. Darüber hinaus schauen sie sich ja auch mal die anderen Programme an. Somit fördert die Lange Nacht der Wissenschaften auch den Austausch untereinander. Ich persönlich finde es immer wieder spannend, andere neugierige Menschen kennenzulernen. Es ergeben sich oft spannende Gespräche mit Gleichgesinnten. Was will man mehr? Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächste Lange Nacht der Wissenschaften, die am 6. Juni 2026 stattfinden wird.

www.langenachtderwissenschaften.de

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