Besuchspartnerschaft - Foto: Birte Zellentin
Der Verein „Freunde alter Menschen“ vermittelt Besuchspartnerschaften zwischen alt und jung – ein wirksames Mittel gegen Einsamkeit im Alter.
Wer von einem „alten Freund“ oder einer „alten Freundin“ spricht, meint in der Regel jemanden, den er schon lange kennt. Es kann ein Freund aus Jugend- oder Kindertagen sein oder aus einem anderen Lebensjahrzehnt. Der Verein „Freunde alter Menschen“ benutzt diese Begriffe etwas anders. Hier geht es um neue Freundschaften über verschiedene Generationen hinweg.
Es handelt sich um „Besuchspartnerschaften“, wie der Verein es nennt. Alleinlebende Menschen, die älter als 75 Jahre sind, können sich an „Freunde alter Menschen“ wenden. Der Verein wiederum arbeitet mit vielen jungen Freiwilligen, die sich engagieren wollen, um Älteren aus der Einsamkeit zu helfen. „Ältere Menschen sind häufig in ihrer Mobilität eingeschränkt. Oft ist der Fernseher der beste Freund. Es hilft ihnen dann sehr, wenn jüngere Freiwillige sie zu Hause besuchen und für neue Eindrücke sorgen“, betont Maj-Britt Erdmann, zuständig für Fundraising und Kommunikation. „Neue Kontakte und auch gemeinsame Unternehmungen öffnen ihnen wieder die Welt.“
Bevor es soweit ist, passiert ein Matching-Prozess. Die jungen Freiwilligen präsentieren sich mit einem Steckbrief, damit die Koordinatorinnen und Koordinatoren des Vereins besser abschätzen können, welcher junge Mensch mit welchem „alten Freund“ oder mit welcher „alten Freundin“ zusammenpassen könnte. Wenn beide Seiten zustimmen, wird ein erstes Treffen arrangiert, bei dem auch jemand vom Verein mit dabei ist. „Wenn das harmoniert, verabreden sie sich wieder“, erklärt Maj-Britt Erdmann. „Manche Besuchspartnerschaften sehen sich alle zehn bis 14 Tage, andere treffen sich vielleicht nur einmal im Monat, telefonieren dann aber nochmal. Einige Ältere wünschen sich sogar noch eine zweite Besuchspartnerschaft, so dass sie jede Woche Besuch bekommen.“
Während die Älteren sich über den regelmäßigen Austausch freuen, finden Jüngere wieder eine neue Oma oder einen neuen Opa, wenn es in der eigenen Familie keine Großeltern mehr gibt. „Dass die unterschiedlichen Generationen sich so begegnen und austauschen wie bei uns, macht Sinn in Zeiten, wo die Großfamilie so nicht mehr existiert oder eben nicht mehr an einem Ort lebt“, sagt Maj-Britt Erdmann. Wie groß die Einsamkeit im Alter sein kann, erklärt die Fundraiserin an einem simplen Beispiel: „Von einer älteren Dame, die sonst nur Kontakt zum Hausarzt oder der Supermarktkassiererin hatte, kam die Rückmeldung nach den ersten Treffen mit ihrer Besuchspartnerschaft: ‚Endlich nennt mich mal wieder jemand beim Vornamen.‘“
Generation Nachbarschaft - Foto: Michael Kutzia
Der Erfolg dieses an sich einfachen Prinzips ist phänomenal. Die Älteren, die bis dato unter Einsamkeit gelitten haben, finden wieder Anschluss und fühlen sich gewertschätzt. Manche sagen sogar, sie hätten durch ihre Besuchspartnerschaft neuen Lebensmut gefunden. „Diese besonderen Freundschaften gehen oft über mehrere Jahre“, sagt Jan Schulte, der seit 2024 verantwortlich ist für die fünf Standorte des Vereins in Deutschland. Neben Berlin gibt es die „Freunde alter Menschen“ noch in Hamburg, Köln, Frankfurt am Main und München. „Es geht dabei nicht um Hilfe beim Einkaufen, sondern um Reden, Kommunikation, Spielen. Die Besuchspartnerschaften treffen sich auf einen Kaffee oder zum Spazierengehen.“ Um die 500 Besuchspartnerschaften betreut der Verein 2025, viele davon in Berlin, dem ersten deutschen Standort, der 1991 gegründet wurde. Die Idee stammt ursprünglich aus Frankreich. In Paris entstand 1946 der Verein „les Petits Frères des Pauvres“ (Die kleinen Brüder der Armen), der arme ältere Menschen mit Essen und Gesellschaft beschenkt hat. Inzwischen hat sich diese Bewegung auf 14 Länder ausgebreitet. Weltweit gibt es 23.000 Freiwillige, die ihre Zeit spenden, um eine besondere Freundschaft mit einem Menschen zu pflegen, der 30, 40 oder 50 Jahre älter ist.
Jan Schulte, der im Vereinsbüro in der Tieckstraße in Berlin-Mitte sitzt, hat auch eine „alte Freundin“ und sieht dies auch für sich selbst als Bereicherung. „Ich finde es spannend, auf diese Weise ganz andere Perspektiven kennenzulernen. Die Älteren wiederum sehnen sich nach Austausch, das ist ein großes Bedürfnis. Diejenigen, die unter Einsamkeit im Alter leiden, glauben oft, sie seien nichts wert oder nicht interessant genug. Unsere Besuchspartnerschaften helfen hier sehr gut, denn die jungen Menschen zeigen ja Interesse an deren Leben und Lebensweg. Meine alte Freundin sagt immer: ‚Mensch, uns gehen ja nie die Themen aus!‘“
Generation Nachbarschaft: Sommerfest
Der Verein versucht die Freiwilligen so gut es geht vorzubereiten. Es gibt Fortbildungen zu Themen wie „Altersdepression“, „Erste Hilfe für ältere Menschen“, aber auch „Trauer und Abschied“. Unter dem Namen „Generation Nachbarschaft“ veranstaltet der Verein darüber hinaus generationsübergreifende Stammtische in verschiedenen Quartieren. Hier können sich Jüngere und Ältere jeden Monat zu Spieleabenden oder an einer Kaffeetafel treffen. In Berlin bietet der Verein solche Events in Reinickendorf, Alt-Mariendorf und Neukölln an.
Die Berliner Sparkasse fördert den „Freunde alter Menschen e.V .“ seit einigen Jahren. „Für uns ist es wichtig, solche Partner an unserer Seite zu haben“, resümiert Maj-Britt Erdmann. „Die Berliner Sparkasse bedenkt uns regelmäßig mit einer jährlichen Spende und bildet damit eine wichtige Säule für die Finanzierung unserer Arbeit. So eine nachhaltige Förderung bringt uns eine bessere Planbarkeit, das freut uns sehr.“
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