Foto: Rene Faber
Veröffentlicht: 11.05.2026
Eine Schule in Pankow bewässert ihren Garten mit einer Regenwasseranlage – von Schülerinnen und Schülern selbst gebaut und gefördert von der Stiftung Berliner Sparkasse.
Wie kann ich junge Menschen ins Handeln bringen, damit sie sich nicht machtlos fühlen im Angesicht des Klimawandels? Diese Frage hat sich Bettina Friedli gestellt und ein Bildungsprojekt entwickelt, das sie am Carl-von-Ossietzky-Gymnasiumin Berlin Pankow realisiert hat.
Die Grundidee lag darin, den Schulgarten mit Regenwasser zu bewässern, um kostbares Leitungswasser einzusparen. Das ist leichter gesagt als getan, denn, um das Regenwasser aufzufangen, sind große Tanks nötig, die miteinander verbunden und über das Fallrohr am Entwässerungssystem des Dachs angeschlossen werden müssen.
Gleichzeitig ging es Bettina Friedli darum, die praktische Umsetzung mit einer Unterrichtseinheit im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu verbinden: „In den achten Klassen stehen die Themen Boden, Wasser und Luft auf dem Lehrplan im Fach Naturwissenschaften. Das passt natürlich sehr gut, so dass wir unser Projekt in den regulären Unterricht integriert haben. Für den gestalterischen und handwerklichen Teil haben wir noch einen Grundkurs Kunst mit eingebunden.“
Somit ist das Regenwasser-Management-System tatsächlich vollständig von Schülerinnen und Schülern konzipiert und realisiert worden, aber das Projekt hat noch mehr umfasst. „Die im Projekt involvierten Achtklässler:innen haben im Unterricht Kommunikationsformate entwickelt, um die Schule insgesamt einzubeziehen“, sagt Bettina Friedli, die ein berufsbegleitendes Studium an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde absolviert. Ein externer Coach hat die Lehrkräfte in die Design-Thinking-Methode eingeführt, eine Technik, um gezielt und schnell neue Ideen zu entwickeln. Entstanden ist daraus zum Beispiel eine Infotafel für den Schulhof, die Schülerinnen und Schüler langfristig über das Regenwasserprojekt informiert, aber auch über die Wasserproblematik im Zuge des Klimawandels insgesamt.
Entwicklung Regenwassersystem, Grundkurs Kunst, 11. Klasse, Mai bis Juli 2025, Infotafel - Foto: Rene Faber
„Mein Ziel lag auch darin, dass möglichst viele dieses Thema mit nach Hause nehmen, um mit Eltern und Geschwistern darüber zu reden“, verdeutlicht Bettina Friedli. „Das ist ein wichtiger Teil der Bildung für nachhaltige Entwicklung, zu lernen, wie spreche ich über Nachhaltigkeit, so dass andere mir zuhören. Wie kann ich jemanden überzeugen, dass das wichtig ist.“
Das Regenwasserprojekt beim Carl-von-Ossietzky-Gymnasium dockt nicht nur an das sechste UN-Nachhaltigkeitsziel „Sauberes Wasser“ an, sondern auch an das 17. Ziel: „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“. Bettina Friedli hat als externe Projektkoordinatorin den Förderverein und das Elterngremium der Schule eingebunden, das sich für den Schulgarten engagiert. Für den fachlichen Teil kam die Berliner Regenwasseragenturzum Einsatz, die sich dafür stark macht, Regenwasser sinnvoll zu nutzen, um die Stadt grüner zu machen. Es geht darum, Berlin zur „Schwammstadt“ zu machen: In der Stadt soll Regenwasser wie ein Schwamm aufgesaugt werden, um es wieder abzugeben, wenn es gebraucht wird. „Dies erfordert dezentrale Maßnahmen in Berlin. Die Bewässerung von Schulgärten bietet hierfür ein Potenzial. Ziel war es, ein Modellprojekt zu entwickeln, an dem sich andere Schulen bei der Umsetzung orientieren können“, betont Bettina Friedli.
Standortvorbereitung Regenwassersystem, Grundkurs Kunst, 11. Klasse, Mai bis Juli 2025 - Foto: Rene Faber
Fassadengestaltung Regenwassersystem, Grundkurs Kunst, 11. Klasse, Mai bis Juli 2025 - Foto: Rene Faber
Bepflanzung und Bewässerung Regenwassersystem, Grundkurs Kunst, 11. Klasse, Mai bis Juli 2025 - Foto: Rene Faber
Um sowohl den Bau der Regenwasseranlage als auch die Coachingmaßnahmen zu finanzieren, kamen drei Förderpartner dazu. Neben dem Landesverband für Kita- und Schulfördervereine Berlin-Brandenburg LSFB e.V.hat sich die Beratungsstelle „Grün macht Schule“engagiert und die Stiftung Berliner Sparkasse von Bürgerinnen und Bürgern für Berlin
Seit dem Sommer 2025 läuft die nachhaltige Bewässerungsanlage, die mit drei großen Tanks Regenwasser speichert und somit die Trinkwasser-Ressourcen der Stadt schont. Was aber auch nachhaltig wirkt, ist die persönliche Erfahrung, die die Schülerinnen und Schüler in Pankow gemacht haben. „Es war für mich faszinierend zu erleben, wie intensiv sie sich darauf eingelassen haben“, sagt Bettina Friedli. „Sie waren sehr betroffen von der globalen Wasserproblematik und auf eine Art auch erleichtert, in dem Moment, wo sie gemerkt haben, wir können hier etwas tun bei uns vor Ort. Denn auch so ein Regenwasserprojekt in Berlin zahlt auf dieses große globale Thema ein, was sonst sehr abstrakt wirkt. Mir war es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler verstehen, ich bin selbstwirksam, ich kann handeln, ich kann etwas beitragen.“
Die Berliner Sparkasse unterstützt kleine und große Initiativen, Vereine und Projekte in Berlin, die sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur einsetzen.
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